Bauernkultur

Entdeckung und Rettung von Emmer und Einkorn

Mitte der fünfziger Jahre machte der 2005 verstorbene Agronom Peter Zübli eine fabelhafte Entdeckung. In Buus, einem kleinen Bauerndorf im Baselbiet, fand er beim kurligen Bauern Hedinger in einer "Zämewüschete" ein paar wenige mit viel Mäusekot verdreckte Körner des weissen Schweizer Emmers. Dieser Fund verhalf dieser alten Getreideart 40 Jahre später zu einer unerwarteten Erfolgsgeschichte und neuem Ansehen: Über die Schweizer Bergheimat, die sich um die Erhaltung alter Getreidesorten kümmerte, kam der weisse Emmer "Züblin" in die Datenbank alter Sorten von Pro Specie Rara. Dort klopfte anfangs der 1990er Jahre der Biologe Markus Jenny von der Schweizerischen Vogelwarte Sempach an. Er suchte nach Mitteln und Wegen, um der Bevölkerung den Zusammenhang zwischen Ackerbau und Artenvielfalt zu veranschaulichen. Sein Ziel war es letztlich, die Vielfalt an typischen Tieren und Pflanzen des Ackerlandes mit geeigneten ökologischen Ausgleichsmassnahmen und wildtiergerechten Produktionsformen zu fördern. Im Vordergrund standen damals das vom Aussterben bedrohte Rebhuhn und der Feldhase. In ersten kleinen Schaugärten voll alter Getreidesorten, reifte bald die Idee, den äusserst robusten und genügsamen Emmer ebenso wie das Einkorn wieder in die landwirtschaftliche Produktion zu nehmen und damit auch auf den Markt zu bringen. Jennys Vision war es, Rebhühnern, Feldlerchen und Adonisröschen in den lückigen Emmerfeldern wieder optimale Lebensbedingungen zu bieten.